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17.12.2021 - Demonstrationen gegen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Wetzlar

Seit nunmehr 22 Monaten grassiert weltweit die Corona-Pandemie. 6,63 Mio. Menschen in unserem Land waren oder sind derzeit an Covid-19 erkrankt.

Über 107.000 Menschen sind in Deutschland bisher an den Folgen der Erkrankung verstorben. Dies entspricht in der Summe der Einwohnerzahl unserer Stadt Wetzlar sowie der Städte und Gemeinden, an die wir im Lahn-Dill-Kreis angrenzen – Aßlar, Hohenahr, Hüttenberg, Lahnau, Schöffengrund und Solms.

Es steht zu befürchten, dass noch viele Menschen ihr Leben in Folge der Erkrankung an Covid-19 verlieren werden.

Viele tragische Schicksale könnten verhindert werden.

Mit der Impfung verfügen wir über ein Werkzeug, das im nächsten Jahr aller Voraussicht nach aufgefrischt werden muss, das aber die Ausbreitung des Virus eindämmt, das vor schweren Krankheitsverläufen schützen und uns vor einer Überlastung des Gesundheitswesens bewahren kann.

Ein Werkzeug, das auch dazu beiträgt und bei einer höheren Impfquote noch besser dazu beitragen kann, dass die Menschen, die aufgrund anderer Erkrankungen einer klinischen und intensivmedizinischen Behandlung bedürfen, diese auch bekommen können.

Denn schließlich sind viele derer, die schwer an Covid-19 erkranken und intensivmedizinische Behandlungen erfahren, nicht geimpft.

Angesichts dieser Fakten empfinden wir bei allem Respekt vor der grundgesetzlich geschützten Meinungs- und Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit die Proteste, die wir jetzt schon mehrfach in Wetzlar erleben mussten, konkret auch mit der Kundgebung am Samstag, dem 18. Dezember 2021, erleben werden, als in keiner Weise begründet und gerechtfertigt.

Wir empfinden das, was vorgetragen wird, als abstrus. Und dennoch ist das Recht auf die Freiheit der Meinungsäußerung zu respektieren.

Wenn trotz der Möglichkeit, Protest zu üben und Anti-Corona-Demonstrationen zu veranstalten, unser Land mit einer Diktatur gleichgesetzt wird, dann ist das an Realitätsverlust und Anmaßung nicht zu überbieten.

Wenn das subjektive Empfinden hochstilisiert und dem Schicksal von Menschen gleichgesetzt wird, die von den Nazi-Schergen in den dunkelsten Stunden in der Geschichte Deutschlands gefoltert und ermordet wurden, dann fragt sich, wie geschichtsvergessen man eigentlich sein kann.

Und wenn man sich mit denen gemeinsam versammelt, die ein auf die Beseitigung der bestehenden freiheitlichen demokratischen Grundordnung gerichtetes politisches Konzept verfolgen, dann muss man sich auch die Frage gefallen lassen, für welche Haltung man steht und wie man es mit dem Vermächtnis der Opfer des Nationalsozialismus hält: „Wehret den Anfängen“?

Und wenn Gewalt ins Spiel kommt, wenn Mordaufrufe kursieren und Vorbereitungshandlungen offenbar werden, wie aktuell gerade in Sachsen festgestellt, dann ist die Wehrhaftigkeit des Rechtsstaates in aller Konsequenz gefragt. Und er zeigt sie.

„Die Freiheit des einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt“, so hat es Immanuel Kant zum Ausdruck gebracht.

Und durch all das, was unsere Gesellschaft von den Leugnern der Pandemie und den Gegnern des Impfens in vermeintlicher Verfolgung ihrer individuellen Freiheitsrechte zugemutet wird, beschneidet die Freiheit der ganz überwiegenden Mehrzahl der Menschen in unserem Land.

Und so bedauern wir es auf das Äußerste, dass in Ausnutzung der Rechte, die unser Rechtsstaat gewährt, der Rechtsstaat verächtlich gemacht werden soll und unsere weltoffene und liberale Stadt zum Austragungsort dieser Proteste gewählt wird.

Und das in der Advents- und Weihnachtszeit.

Eigentlich die Zeit im Jahreslauf, in der wir – im Rahmen des Möglichen – enger zueinander rücken, uns der Schwächeren in unserer Gesellschaft annehmen, sie in unsere Mitte nehmen, in der wir aber nicht spalten und ausgrenzen und unsere Mitmenschen in ihren Möglichkeiten, sich zu entfalten, beschneiden.

Daher ist es unser Wunsch zu Weihnachten 2021, dass viele derer, die in unseren Augen auf einem abwegigen Pfad unterwegs sind, sich besinnen und Verantwortung für sich und ihre Mitmenschen übernehmen. Diese Tür ist offen und muss offen bleiben.

Und es ist unser Wunsch für 2022, dass wir die Ungerechtigkeiten auf unserem Planeten abbauen, dass wir alle verantwortlich agieren und dass wir sich auftuende Gräben überwinden und den inneren Frieden im Land bewahren können.

Manfred Wagner, Oberbürgermeister
Dr. Andreas Viertelhausen, Bürgermeister
Jörg Kratkey, Stadtrat
Norbert Kortlüke, Stradtrat
Frank J. Kontz, Stadtrat