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07.09.2020 - Eine Wanderausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung“ über jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach ist vergangenen Donnerstag (3. September 2020) in der Wetzlarer Colchester-Anlage eröffnet worden.
Wanderausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung“
Die deutsche Tennismeisterin Nelly Neppach nahm sich nach ihrer Ausgrenzung aus dem Tennissport im Mai 1933 das Leben. © Stadt Wetzlar
Wanderausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung“
Die Bandbreite jüdischer Sportler zeigt die Ausstellung in der Colchester-Anlage. © Stadt Wetzlar

Auf lebensgroßen Figuren werden jüdische Athleten aus den dreißiger Jahren gezeigt, die als Nationalspieler, Weltmeister, Olympiasieger oder Rekordhalter zu den gefeierten Stars ihrer Zeit gehörten. Sie wurden allesamt in der Zeit des Nationalsozialismus ausgegrenzt, entrechtet, zur Flucht gedrängt oder ermordet.

An 17 Sportler, die die gesamte Bandbreite des jüdischen Sports repräsentieren, wird erinnert, darunter Walter Bensemann, Mitbegründer des Deutschen Fußball-Bundes und des Fußballmagazins „Kicker“.

Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD) hob vor 60 Gästen aus Kommunalpolitik, Sport und Gesellschaft bei der Eröffnung die verbindende Funktion des Sports hervor. Er führe Menschen unterschiedlichster Herkunft zu einer „bunten Sportfamilie“ zusammen. Umso erschreckender sei, dass die jüdischen Sportler nach 1933 ausgeschlossen und ihrer sportlichen Existenz beraubt wurden. Auch in Wetzlar seien Einzelschicksale jüdischer Sportler durch die Veröffentlichungen von Doris und Walter Ebertz dokumentiert worden, wie den Ruderern Richard und Nathan Rosenthal oder dem Turner Hans Seligmann, die allesamt zur Emigration gezwungen worden seien. Es müsse eine Lehre dieser Zeit sein, etwa dagegen vorzugehen, wenn Sportler wegen ihrer dunklen Hautfarbe angefeindet würden.

Der Vorsitzende des Sportkreises Lahn-Dill, Ralf Koch, sagte, der Wert des Sports zeige sich nicht in Millionengehältern von Spitzensportlern, sondern beispielsweise in der Integration von Flüchtlingen in Sportvereine, die anschließend sogar eine sportliche Karriere machen könnten.

Der Kurator der Schau Berno Bahro vom Zentrum für deutsche Sportgeschichte führte in die Ausstellung ein. Sie wolle auch zeigen, wie sich eine Gesellschaft zur „Ausgrenzungsgesellschaft“ radikalisieren kann, in der Sport- und Vereinskameraden plötzlich ausgeschlossen werden. Die Schau wurde 2015 erstmals in Berlin anlässlich eines jüdischen Sportfestes gezeigt und geht seitdem auf Wanderschaft.

In Wetzlar wurde sie vom Sportkreis Lahn-Dill und den Sportamt der Stadt Wetzlar in die Domstadt geholt und ist bis zum 3. Oktober in der Colchester-Anlage zu sehen. Nähere Infos: www.juedische-sportstars.de.