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16.12.2020 - Liebe Wetzlarerinnen und Wetzlarer,
wir leben in einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite.

Trotz der ergriffenen Maßnahmen des Bundes, der Länder und der Kommunen, aber auch des verantwortungsvollen Verhaltens vieler, leider aber nicht aller Menschen in unserem Land, müssen wir ein Verharren der Infektionszahlen auf äußerst hohem Niveau feststellen. 

Die Zahl der Menschen, die aufgrund einer Corona-Infektion der medizinischen oder gar intensivmedizinischen Behandlung bedürfen, ist bei Weitem viel zu hoch. Dankenswerterweise verläuft die Behandlung der Erkrankten in der überwiegenden Zahl der Fälle erfolgreich. 
Die Zahl der Menschen, die mit oder an der Infektion versterben, ist erschreckend hoch.
Unser Gesundheitswesen ist massivst beansprucht. Das gilt insbesondere für die Mitmenschen, die für unsere Pflege und medizinische Versorgung tagtäglich über ihre Grenzen gehen.

Und dass angesichts dieser größten Herausforderung, die wir nicht nur in unserem Land seit Ende des Zweiten Weltkrieges erleben, verschwörerische Theorien gepflegt, geteilt und bestärkt werden, ist mehr als erschreckend. Ganz zu schweigen von der Herabsetzung, die einem Vergleich mit Sophie Scholl, Anne Frank, oder all derer, die 1933 gegen das Ermächtigungsgesetz der Nazis gestimmt und ihr Aufstehen gegen den Faschismus mit ihrem Leben bezahlt haben, inne wohnt. 

Das Infektionsgeschehen in unseren Städten und Gemeinden schwankt von Tag zu Tag. In der Kreisstadt Wetzlar haben wir absolut betrachtet die höchste Zahl der Erkrankten im Gebiet des Landkreises. In Bezug zu unserer Einwohnerzahl, also relativ betrachtet, nicht. Die 7-Tage-Inzidenz liegt im Kreisgebiet aktuell bei einem Wert von 157, in der Stadt Wetzlar bei 137. Das heißt hochgerechnet auf 100.000 Einwohner sind in unserer Stadt in den letzten sieben Tagen 137 Menschen an Covid-19 erkrankt.

Sowohl im Landkreis, als auch in unserer Stadt liegt die 7-Tage-Inzidenz aber unterhalb des Wertes, der nach dem aktuellen Eskalationskonzept des Landes das Verhängen weiterer Maßnahmen, so zum Beispiel einer nächtlichen Ausgangssperre auslösen würde.

Dennoch appelliere ich an Sie, sich nicht in Sicherheit zu wiegen. 
Die Lage ist äußerst fragil.

Was hindert uns auch in Wetzlar daran, in der bevorstehenden Zeit  
• unsere Kontakte weiter zu reduzieren,
• uns aus freien Stücken an den Regelungen der nächtlichen Ausgangssperre zu orientieren, die in den Kommunen gilt, die als Hotspots eingestuft sind,
• im öffentlichen Raum prinzipiell eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen und 
• konsequent die AHA-Regeln - Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske (Mund-Nasen-Bedeckung) zu tragen und im Herbst und Winter, vermehrt auf das regelmäßige Lüften geschlossener Aufenthaltsräume zu achten?
Die Verantwortung für uns selbst und für unsere Mitmenschen sollte uns diese Fragen mit einem einfachen Wort beantworten lassen: Nichts! 
Ich bin mir sehr sicher, es lohnt, gerade in den bevorstehenden Tagen und Wochen diszipliniert und verantwortungsvoll zu sein, um den Trend wieder umzukehren.
Schließlich haben wir eine Perspektive: Impfstoffe sind entwickelt, Impfzentren sind aufgebaut und ich bin mir sehr sicher, dass in den nächsten Monaten sehr viele Menschen von dem Angebot, sich impfen zu lassen, Gebrauch machen werden. 
In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich, bleiben Sie gesund.

Manfred Wagner
Oberbürgermeister der Stadt Wetzlar