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20.05.2020 - Träger der Jugendhilfe warnen vor kaum erfüllbaren Erwartungen

Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe im Lahn-Dill-Kreis, das Kreis-Jugendamt und das Jugendamt der Stadt Wetzlar, arbeiten in vielen Aufgabenfeldern eng zusammen. So auch mit Blick auf die von Staatsminister Kai Klose angekündigte schrittweise Öffnung der Kitas im Landkreis ab dem 2. Juni 2020 im sogenannten „eingeschränkten Regelbetrieb“. Betroffen sind Krippen, Kindertagesstätten, Kindertagespflege und Horte im gesamten Kreisgebiet. „Sozialminister Kai Klose hat eine rechtzeitige Verordnung angekündigt, auf die wir nun warten“, sagt Kreis-Sozialdezernent Stephan Aurand. „Wichtig ist, dass wir diese nächste Phase der Betreuung mit Maß und Ziel angehen – unter den Bedingungen, die wir auch alle verantworten können“, fährt Aurand fort. Die kommunalen Spitzenverbände hätten hierzu bereits vor Tagen ein Papier vorgelegt. 

Wie es vom Sozialministerium hieß, müssen Hygiene- und Schutzmaßnahmen weiterhin selbstverständlich beachtet werden. „Aus diesem Grund kommen wir ab dem 2. Juni 2020 auch zu einem sehr eingeschränkten Regelbetrieb. Was dieser bisher rechtlich nicht besetzte Begriff („eingeschränkter Regelbetrieb“) letztendlich bedeutet, bleibt abzuwarten. Allerdings zeichnet sich schon heute ab, dass angesichts der Vorgaben zu Gruppengrößen bei weitem nicht alle Kinder in dem vor Corona gewohnten Umfang betreut werden können“, fasst der Oberbürgermeister der Stadt Wetzlar, Manfred Wagner, zusammen. Dies umso mehr, als nach der bis dato geltenden Verordnungslage im Land Hessen den Angehörigen der sogenannten „systemrelevanten Berufe“ auch weiterhin die Betreuung ihrer Kinder gewährleistet werden muss, damit Beruf und Kindererziehung unter den Vorzeichen von Corona möglich ist. Dies sehen wir angesichts der Ankündigungen des Staatsministers gegenwärtig aber in Gefahr. Auch hierzu muss sich das Land möglichst unverzüglich positionieren. 

„Genau, wie es in vielen anderen Bereichen war, wird auch die Kinderbetreuung schrittweise erfolgen. Uns ist bewusst, dass die Pandemie besonders die Familien stark belastet. Deshalb haben wir als Jugendhilfeträger entschieden, uns eng mit den Kommunen im Lahn-Dill-Kreis abzustimmen und ein einheitliches Vorgehen bezüglich der Betreuung zu entwickeln“, ergänzt Wagner. Grundlage dafür kann und muss die vom Sozialminister angekündigte Verordnung bilden. 

„Wenn die schrittweise Öffnung der Kitas gelingen und bei den Erziehungsberechtigten auf Akzeptanz stoßen soll, dann muss dieses Regelwerk unverzüglich vorliegen“, betont der Sprecher der Bürgermeisterkreisversammlung im Lahn-Dill-Kreis, der Solmser Bürgermeister Frank Inderthal. Er wies in diesem Zusammenhang auch auf eine befristete „Absenkung“ von Standards hin, um zum Beispiel auch Räume in Bürgerhäusern nutzen und auch außerhalb des Fachkräftegebotes des Kinderfördergesetzes vorübergehend auch andere, praktisch aber auch geeignete Kräfte einsetzen zu können. Dies seien elementare Voraussetzungen, bleibe es doch ansonsten womöglich bei der Ankündigung des Ministers und dem Frust vor Ort, dass Erwartungen nicht erfüllt werden können. 

In einer Telefonkonferenz der Jugendamtsleitungen einiger hessischer Landkreise und Städte wurden bereits in der vergangenen Woche konkrete Vorschläge für einen Stufenplan abgestimmt, wie die schrittweise Erweiterung der Kindertagesbetreuung aussehen könnte. „Die Grundlagen kommen letzten Endes vom Land. Die Verordnung wird Spielraum für die individuelle Anpassung lassen“, sagt Stephan Aurand.

Schrittweise zurück zur Normalität

Die Einführung des eingeschränkten Betriebes der Kitas ab dem 2. Juni 2020 ist ein weiterer Schritt hin zur Normalität seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Zum 20. April 2020 wurde es allen berufstätigen Alleinerziehenden ermöglicht, ihr Kind im Rahmen der Notbetreuung betreuen zu lassen. Seit dem 4. Mai 2020 sind die Spielplätze in Hessen wieder geöffnet. Seit dem 9. Mai 2020 sind familiäre Betreuungsgemeinschaften von bis zu drei Familien möglich, die sich gegenseitig bei der Betreuung ihrer Kinder unterstützen können. „Allerdings“, so Aurand, Inderthal und Wagner, „müssen wir gerade bei den Kitas verantwortungsvoll und orientiert am Machbaren agieren und dies gerade auch von Seiten des Sozialministeriums klar und verständlich von Anbeginn an kommunizieren. Nur schwerlich erfüllbare Erwartungen helfen am Ende niemanden.