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07.06.2019 - „Wasser marsch“ hieß es am Donnerstag (6. Juni) auf dem Alten Friedhof in Wetzlar. Nach langem Stillstand wurde der stufenförmige Wasserfall (Kaskade) unterhalb der Trauerhalle wieder in Betrieb genommen und damit ein bauwerkliches Juwel wiederbelebt, das in Deutschland fast einmalig ist.
Kaskade
Nach sechs Jahrzehnten fließt wieder Wasser: Kaskade auf dem Alten Friedhof © Stadt Wetzlar
Kaskade Alter Friedhof
© Stadt Wetzlar

Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD) und Umweltdezernent Norbert Kortlüke (Grüne) gaben den Startschuss für den Wasserfluss. Die 1928 erbaute Kaskade war seit geschätzten vier bis fünf Jahrzehnten außer Betrieb, die Bauunterhaltung aus Kostengründen nicht mehr gewährleistet. Zwischenzeitlich waren die Becken der Kaskade mit Erde verfüllt und notdürftig begrünt. Vor zehn Jahren hat die Friedhofsverwaltung das Kleinod „wiederentdeckt“, freigelegt und so die Schäden unübersehbar herausgestellt: Die umgrenzenden Mauern waren teilweise zerfallen, die Fugen ausgebrochen und die Mauerabdeckungen aus Naturstein fehlen sogar zum Teil. Die Becken aus Beton waren undicht und wiesen grobe Risse und Ausbrüche auf. Die Wassertechnik für die Anlage fehlte komplett. Zusammen mit der Trauerhalle und dem Krematorium bildet die Kaskade ein „wohldurchdachtes Kulturdenkmal“, so Stadtarchivarin Dr. Irene Jung.

Im Jahre 2008 hat die Stadtverordnetenversammlung einen Beschluss gefasst, zu dem unter Denkmalschutz stehenden Alten Friedhof ein „Friedhofspflegewerk“ anfertigen zu lassen, in welchem formuliert war: „… die besonderen baulichen Anlagen wie Aussichtsturm, Pergola und Kaskade bleiben erhalten und werden nach historischem Vorbild saniert“. Jetzt wurde das Bauwerk für 338.000 Euro komplett saniert und mit einer Wasseraufbereitungsanlage versehen.

Dankbar ist die Stadt für folgende Spenden und Förderungen dieser Maßnahme:

  • Deutsche Stiftung Denkmalschutz: 36.000 Euro
  • Landesamt für Denkmalpflege: 30.000 Euro
  • Private Spender u. Bürgerstiftung: 18.000 Euro

Alle am Bau beteiligte Unternehmen haben in nur zehn Monaten eine Anlage geschaffen, von der es auf deutschen Friedhöfen nur noch eine weitere gibt: am Ostfriedhof in München. Die Gärtner- und die Pflasterarbeiten wurden von den Auszubildenden des Stadtbetriebsamtes ausgeführt. Zunächst läuft die Anlage täglich in der Zeit von 8 bis 18 Uhr.

Kaskade
Einige Dutzend Gäste verfolgten das Schauspiel der Wiederinbetriebnahme der Kaskade
Kaskade
So sah die Kaskade vor der Sanierung aus