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07.04.2017 - (--) Auf großen Zuspruch stieß das erste „Erzählcafé“ des Wetzlarer Stadtmuseums zum Thema Eisenmarkt am Sonntagnachmittag (2. April).
Erzählcafé
50 Besucher wollten beim Erzählcafé mehr über den Eisenmarkt wissen. (Fotos: Stadt Wetzlar)
50 Besucher folgten bei Kaffee und Kuchen den historischen Einführungen von Museumsleiterin Anja Eichler und einem von Altstadtkennerin Doris Ebertz moderierten Gespräch.
Eichler warf einen Blick auf die fast 800-jährige Geschichte des Marktes. Im Jahre 1253 erstmals erwähnt, wurde er zu einem Verkehrsknotenpunkt und Umschlagplatz für Eisenwaren. Elf Fachwerkhäuser umgrenzen den relativ kleinen Platz, zwei davon mit besonders prächtiger Ausstattung. Das Haus Nummer 7, war Sitz einer der ältesten Apotheken Wetzlars „Zum Goldenen Löwen“, die 1806, im selben Jahr wie das Reichskammergericht geschlossen wurde. Ein Blickfang ist auch die Nummer 9, die Alte Münz, die schon eine Schlachterei, Bier- und Weinlokale und Cafés beherbergte.
Doris Ebertz beschrieb mit Schlaglichtern die wechselvolle Geschichte des Eisenmarktes im 20. Jahrhundert. Bekleidungsgeschäfte, ein Lebensmittelladen, ein Seifengeschäft, ein Schuhgeschäft mit den beliebten „Lurchiheften“, Cafés und Gaststätten, ein Textilgeschäft, das als erstes bunte Unterwäsche im Sortiment hatte, waren rund um den Platz angesiedelt. Bis zur Einrichtung der Fußgängerzone gab es an der Alten Münz sogar eine Ampel, die von einem Polizisten gesteuert wurde.
Aus alten Adressbüchern nannte Ebertz die Namen der Bewohner der elf Häuser rund um den Eisenmarkt und sorgte damit für manches Aha-Erlebnis unter den Besuchern, von denen viele den Platz seit ihrer Kindheit kennen und mancher davon von einer bekannten Hebamme, Lina Walter, die Jahrzehntelang im Haus Nummer 7 praktizierte, mit zur Welt gebracht wurde.

Eine Lücke in der Museumsgeschichte schließen

„Mit diesen Veranstaltungen wollen wir mehr erfahren, um Lücken in der Museumsgeschichte zu schließen“, sagte Kulturdezernent Jörg Kratkey (SPD). Die Besucher ließen sich nicht lange bitten, etliche teilten Erinnerungen und Anekdoten rund um den Eisenmarkt mit. Manche brachten gleich ein potentielles Ausstellungsstück mit. So etwa Christa Kollet, Enkelin von Theodor Sennlaub, der am Eisenmarkt 8 als Frisör und Puppendoktor tätig war. Sie präsentierte eine Auswahl an Puppen aus der Nachkriegszeit. Um Weihnachten herum seien bis zu 1.000 Puppen repariert worden, ihre Großmutter wurde von den Kindern, die ihre kaputten Puppen brachten, auch schon mal gefragt, ob sie die Oma vom Christkind sei.
Eine Besucherin wies darauf hin, dass der Eisenmarkt seit den achtziger Jahren auch Treffpunkt für Friedens- oder Anti-Atomgruppen gewesen sei. Manches davon habe sich in die Bahnhofstraße verlagert.
„Heute ist der Eisenmarkt nicht mehr so stark frequentiert“, bedauert Ebertz ,“umso schöner ist es, dass wir heute nach Herzenslust Erinnerungen austauschen können.“ Auch das nächste Erzählcafé, voraussichtlich im Herbst, wird sich mit einem markanten Ort der Wetzlarer Altstadt beschäftigen.
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