Ehrenamt am Wanderweg
Doch was macht so ein Wegepate eigentlich? Was ist die Aufgabe? Kurz erklärt: Wegepaten kümmern sich um die Instandhaltung von Wanderwegen. „Die Funktion des Wegepaten ist ein Ehrenamt“, erklärt Martina Schlinke im Gespräch. „Als Wanderer haben wir die Aufgabe sehr gerne von der Stadt Wetzlar und der Tourist-Information übernommen“. Ausgerüstet mit Material und Werkzeug, dass das Ehepaar zur Verfügung gestellt bekommt, begehen die Schlinkes mindestens zweimal im Jahr – meistens jedoch öfter – die beiden Wanderwege, prüfen diese auf Herz und Nieren und erstellen dabei ein Begehungsprotokoll. Im Zuge davon werden auch Fotos gemacht und Probleme dokumentiert. Die Tourist-Information erhält das Protokoll dann zur Auswertung. Kleinere Reparaturarbeiten erledigen die Wegepaten direkt selbst, größere anstehende Arbeiten meldet die Tourist-Information an die jeweiligen zuständigen Stellen.
Kontrollen der Markierungszeichen
„Zu unseren Aufgaben als Wegepaten gehören in erster Linie die Kontrolle bestehender und die Anbringung fehlender oder verwitterter Markierungszeichen“, erklärt Martina Schlinke. Dabei steht für die Wegepaten immer im Fokus, dass die Wegeführung für jeden sofort und klar ersichtlich ist. Markiert wird, wo immer das möglich ist, in Laufrichtung geradeaus. Früher wurden Wanderwege auch teils seitlich markiert, aber es geht darum, dass man die Markierungen direkt schon aus der Ferne beim Laufen sieht. Biegt ein Weg ab, muss nach dem aktuellen Regelwerk spätestens in 50 Metern ein Bestätigungszeichen folgen. Dies dient dazu, Wanderer ganz schnell merken zu lassen, dass sie die eigentliche Route verlassen haben.
Doch das ist nicht das einzige Problem mit den Markierungszeichen. Manchmal sind auch die Pfosten, an denen die Zeichen angebracht sind, verwittert und umgestürzt, manche wackeln. Oder Vandalen haben Markierungszeichen mutwillig beschmiert. Oder die Natur hat Hand angelegt, und Zeichen mit Moos, Algen oder Flechten überzogen.
Zustand des Weges, von Bänken und Verkehrsschildern
Gleichzeitig wird bei den regelmäßigen Begehungen auf den Zustand des Weges geachtet: Gibt es Löcher oder Stolperfallen? Sind beim letzten Sturm Bäume umgestürzt? Oder Äste herabgefallen? Verdecken Sträucher und Blattwerk Wegzeichen? Oder ist ein Weg einfach schlecht begehbar, weil die anliegende Wiese oder der Weg selbst einmal wieder gemäht werden müsste? Hat jemand Müll abgeladen? Auch hier gilt: „Kleinere Arbeiten wie das Freischneiden von Wegzeichen werden von uns meist direkt erledigt“. Auch das „Beiwerk“ des Wanderwegs wird begutachtet und dokumentiert: Sind Bänke, Panoramaliegen und Picknickgarnituren in Ordnung? Mängel wie etwaige Verwitterung werden aufgelistet und dokumentiert. Die Informationstafeln auf den Stelen am Goetheweg müssen außerdem regelmäßig gereinigt werden – auch die Rückseite. Beschädigungen werden ebenfalls im Protokoll festgehalten. Menschengemachte Beschädigungen findet die Wegepatin besonders ärgerlich, wie zerstörte Acryltafeln oder das Beschmieren oder Überkleben von Markierungszeichen. Aber, zum Glück: „Im Raum Wetzlar halten sich die mutwilligen Beschädigungen noch in Grenzen“.
Verwitterte Ruhebänke, aber auch Straßen- und Verkehrsschilder, die kaum noch als solche zu erkennen sind, melden die Wegepaten per Protokoll über die Tourist-Information, welche die zuständigen Stellen informiert, so dass für Abhilfe gesorgt werden kann. Kurzum: Die Wegepaten kümmern sich um alles, was den Eindruck von Wanderern trüben oder das Wandererlebnis beeinträchtigen können.
Bei ihren Kontrollgängen begegnet dem Ehepaar doch auch manch Kurioses: Da war etwa die Stele mit einer Info-Acryltafel im Rosengärtchen, die von einem Bauzaun „eingesperrt“ und somit für Gäste nicht lesbar war. Oder in Folie eingepackte Karten und Briefe mit religiösen Inhalten, die auf den Ruhebänken verteilt wurden. „Leider wurden diese Briefe durch den Wind in die Landschaft getragen“ – Umweltverschmutzung und Bedrohung für die Tierwelt in einem.
Wegepaten seit 2020
Seit 2020 sind die Schlinkes Wegepaten in Wetzlar, doch verbunden sind sie als langjährige Aktive im Deutschen Volkssportverband (DVV) mit dem Thema Wandern schon viel länger. „Mein Vater war ein leidenschaftlicher DVV-Wanderer und hat mich bereits als kleines Mädchen von vier Jahren auf die Wanderstrecken mitgenommen, um mir die Schönheiten unserer Natur zu zeigen und mich dem Wandern nahezubringen“, erzählt die Wahl-Wetzlarerin heute. Sie erinnere sich noch gut an die Zeiten, als sie auf die Stempel im Wertungsheft, die Orden und Urkunden für die erwanderten Kilometer so unglaublich stolz gewesen sei.
Kein Wunder also, dass sie dem DVV-Wandern heute noch verbunden ist, schließlich hat sie auch ihren Mann 2002 beim DVV-Wandern kennengelernt. Burkhard Schlinke war damals Abteilungsleiter einer Wandergruppe, die ebenfalls dem DVV angeschlossen war. Martina Schlinke war es, die das Thema DVV-Wandern schließlich auch in die Stadt Wetzlar brachte. „Ich freue mich sehr, dass es mir gelungen ist, auch die Stadt Wetzlar vom DVV-Wandern zu überzeugen“. Da lag es nahe, dass Martina Schlinke von der Tourist-Information auch gefragt wurde, ob sie Wegepatin werden möchte, denn mit dem Goetheweg wurde 2018 der erste Permanente DVV-Wanderweg in Wetzlar eingerichtet. Unter Permanenten Wanderwegen versteht der DVV Rundwege in besonders reizvollen Gegenden Deutschlands mit Streckenlängen zwischen 5 und 42 Kilometern. In der Regel sind die abwechslungsreichen Wanderrouten ganzjährig geöffnet und somit eine attraktive Ergänzung zu den angebotenen Wandertagen des DVV. „Den Goetheweg haben wir damals zusammen mit der Stadt Wetzlar ausgewählt, weil er aus unserer Sicht der schönste Wanderweg im Stadtgebiet ist und zusammen mit dem Altstadtgrüngürtelweg in zwei Teile aufgeteilt werden kann. Zusammen sind die Wege mit einer Länge von zehn Kilometern super für das DVV-Wandern geeignet. „Es war für mich selbstverständlich, dass ich dieses wundervolle Ehrenamt übernehme, denn Wandern macht Spaß, hilft beim Stressabbau, man kann die Natur genießen, dabei die eigene Gesundheit fördern und manchmal – so wie auf dem Goetheweg – kann man auch noch etwas über Geschichte lernen“.
Wanderliebe mit anderen teilen
Für die Schlinkes ist die Wegepatenschaft aber keinesfalls Arbeit. Sie lieben das Wandern einfach und verbinden damit viele Erinnerungen – an Wanderungen im Ausland wie Frankreich, Belgien, Luxemburg oder Österreich, an die gemeinsame Teilnahme an der Volkssport-Olympiade 2017 in Koblenz oder die IVV-Olympiade in Finnland, an der Burkhard Schlinke teilnahm. Für das Ehepaar ist Wandern ein guter Ausgleich zum Beruf. Burkhard Schlinke (65) arbeitet als Facharzt für Arbeitsmedizin, Martina Schlinke (60) war 38 Jahre lang am Amtsgericht Wetzlar beschäftigt, bevor sie aus gesundheitlichen Gründen verfrüht in den Ruhestand ging. Auch die beiden Kinder haben die beiden häufig auf Wanderungen begleitet, heute ist immer Hund Elvis mit dabei. Auch Freunde werden mit auf die Wanderwege genommen, dann gerne mit einem kleinen Picknick im Gepäck, das die Schlinkes am liebsten oben am Bismarckturm genießen. Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit, bei der sie anhand ihrer Namensschilder zu erkennen sind, bekommen sie viel Lob. „Wir werden oft angesprochen, wenn wir bei unserer Arbeit Menschen begegnen“, freut sich Martina Schlinke.
Auch wir haben die beiden Wanderwege schon getestet. Hier geht es zu unserem Bericht über den Goetheweg, und hier waren wir auf dem Altstadtgrüngürtelweg unterwegs. Während der Premium-Wanderweg Goetheweg mit dem Scherenschnitt des jungen Goethes als Symbol gekennzeichnet ist, weist am Altstadtgrüngürtelweg ein Motiv den Weg, das den Säuturm mit der Stadtmauer zeigt – umschlossen von einem grünen Band.
