Der Schnepfe nach zum Wilden Stein
Start des sogenannten Kelterbergwegs, der zum Naturpark Hochtaunus gehört und mit einer roten Schnepfe als Wegzeichen gekennzeichnet ist, ist am Wanderparkplatz gegenüber des Gasthauses „Kirschenwäldchen“. Hier findet sich auch der Einstieg in den Komfortweg Kirschenwäldchen mit zahlreichen Erlebnisstationen und auch in die Route „Fuchs“, den sogenannten Schafstallweg, der am Fuß des Stoppelbergs bis zum Wetzlarer Krankenhaus und wieder zurück zum Kirschenwäldchen führt, kann hier eingestiegen werden. Vom Parkplatz aus überqueren wir die Straße auf die Seite des Gasthauses und umrunden den jetzt in der Winterzeit ruhenden Biergarten auf der abknickenden Straße Kirschenwäldchen nach rechts. Auf der linken Seite ist auch schon bald das historische und imposante Forsthaus am mächtigen Geweih über der Eingangstür zu erkennen, bevor die Straße Kirschenwäldchen den Namen in Forsthausstraße wechselt.
Auf urigen Waldrandpfaden zum Wilden Stein
Ein Blick von der Straße aus auf das urige Grundstück lohnt, denn hier gibt es allerhand Details zu entdecken – etwa die eingeschnitzten Tiere des Waldes in den gepflegten grünen Fensterläden. Überhaupt ist die gesamte Siedlung Kirschenwäldchen sehenswert – ruhig und idyllisch liegen die Wohnhäuser hier, als sei man in einem Wochenend-Feriendorf gelandet. Nur der Ruf mancher Waldvögel scheint hier oben die Stille zu durchbrechen. Durchatmen ist angesagt. Erreicht man rechter Hand den Schnepfenweg, ist hier ob des fehlenden Richtungspfeils unter dem Wegzeichen Vorsicht geboten. Denn anders, als man anhand des Straßennamens vermuten könnte, ist der Schnepfenweg nämlich kein Teil des Schnepfenweges. Erst am Kiefernweg, an der Haltestelle des Bürgerbuses, zweigt die Route rechts ab. So langsam werden die Häuser weniger und man bewegt sich am Waldrand in teils urigen, urwaldartigen Waldstücken entlang. Doch bevor es schließlich tiefer in den Wald hineingeht, offenbart sich zunächst an einer Bank nochmal ein wunderbarer Panoramablick auf Nauborn. Ein Stück geht es am Siedlungsrand entlang und dann biegt man ab auf den Wilhelm-Heiland-Weg rund um den Kellerberg (oder auch: Kelterberg).
Der Wanderer befindet sich hier in einem Waldrücken auf der Westflanke des Stoppelberges in Richtung Siebenmühlental. Der höchste Punkt dieses Waldrückens ist der sogenannte Bielstein mit 295 Metern Höhe, dessen westliches Ende, der Kellerberg, in einem Aussichtspunkt 250 Meter über Nauborn gipfelt: Dem Wilden Stein. Der markante Fels aus Grauwacke und Tonschiefer bildet eine Art „Wahrzeichen“ Nauborns und ist ein beliebtes Wanderziel.
Förster Gersmann schuf den Weg 1970
Der Wilhelm-Heiland-Weg mündet schon alsbald in den Förster-Gersmann-Weg: Ihm ist es zu verdanken, das der Rundweg um den Berg überhaupt existiert.
1955 kam Fritz Gersmann als junger Förster nach Nauborn und er war von dem Höhenrücken und dem Wilden Stein so fasziniert, dass er vorschlug, einen Weg rund um den Bergrücken bis zum Ausflugsziel Kirschenwäldchen zu bauen. Nachdem Gersmann anfangs dafür belächelt wurde, wurde sein Plan in den Jahren 1970 und 1971 schließlich in die Tat umgesetzt: Waldarbeiter schlugen eine Schneise, eine Planierraupe sorgte für den Rest. So entstand ein neues Wegestück vom Elsenbach über den Kelterberg zum Kirschenwäldchen. In Verbindung mit dem schon vorhandenen Weg vom Kirschenwäldchen über den Langenberg bis zum Elsenbach entstand so ein knapp 5 Kilometer langer Rundweg.
Der Kelterberg: Im Mittelalter als Niederwald bewirtschaftet
Seit 1997 ist das Gebiet am Kellerberg als Naturschutzgebiet ausgewiesen, auf den Wegen bleiben ist also oberstes Gebot. Die Artenvielfalt in dem Gebiet geht auf die Nutzung des Kelterberges durch den Menschen zurück. Bereits in der Keltenzeit, rund 400 Jahre vor Christus, war das Gebiet besiedelt. Ab dem Mittelalter fand hier eine besondere Form der Waldnutzung statt: Der sogenannte Niederwald. In einem Niederwald werden alle 20 Jahre die Bäume gefällt – die Baumstümpfe schlagen dann neu aus. Das anfallende Holz wurde zu Holzkohle verarbeitet, die Rinde der Eichen wurde zu Lohe für die Gerbereien getrocknet. Durch die besondere Form der Waldbewirtschaftung kommt viel Sonnenlicht auf den Waldboden, was die Ansiedlung verschiedener Tier- und Pflanzenarten, die viel Licht brauchen, begünstigte. Noch heute werden daher regelmäßig Bäume gefällt, um diese Arten zu erhalten.
Toller Ausblick am Wilden Stein
Das Highlight der kleinen Wandertour ist jedoch tatsächlich die Rast auf dem „Wilden Stein“. Es lohnt sich, an dieser Stelle ein kleines Picknick mit dabei zu haben, denn hier lässt es sich, vor allem in den Sommermonaten, ganz prima verweilen. Der Ausblick auf Nauborn ist ganz wunderbar, bei klarem Wetter (das uns bei der Tour leider verwehrt blieb), kann man auch bis in den Westerwald schauen. Nicht nur für Spaziergänger und Wanderer, auch für Mountainbiker ist der Wilde Stein ein super Ziel.
Einkehr im Gasthaus „Kirschenwäldchen“
Vom Wilden Stein führt der Weg durch den Wald langsam zurück zum Ausgangspunkt am Gasthaus Kirschenwäldchen. Hier kann man nach der Tour noch einkehren. Im Sommer lockt der Biergarten mit dem großen Spielplatz Familien täglich an, im Winter kann man Donnerstag bis Sonntag im Gasthaus einkehren. Besonders beliebt sind die frischen Waffeln – natürlich auch mit Kirschen bestellbar. Die Karte bietet traditionelle deutsche Hausmannskost – von Kleinigkeiten wie Ofenkartoffeln, Wildbratwurst oder Matjestopf bis hin zu deftigen Gerichten wie Krüstchen, dem Hessischen Cordon Bleu, gefüllt mit Handkäse. Aber auch Wildspezialitäten wie Entenkeule, Hirschrücken oder Wildragout sind im Angebot.
Kontakt und Infos:
Gaststätte zum Kirschenwäldchen
Kirschenwäldchen 16
35578 Wetzlar
Telefon: 06441-22524
E-Mail: infogaststaette-kirschenwaeldchende
Öffnungszeiten (Winter): Donnerstag bis Sonntag von 12 bis 20 Uhr
Gut beschilderter Weg mit wenig Schwächen
Die Wanderung rund um den Kellerberg mit dem Wegzeichen „Schnepfe“ ist bis auf an wenigen Stellen gut beschildert. Gerade anfangs, so lange man noch innerhalb der Siedlung ist, fehlen jedoch einige Richtungspfeile an den Wegzeichen. Die Wegzeichen tauchen teils zu spät auf und an manchen Wegegabelungen täte ein Verifizierungszeichen gut. Der Weg ist aber mit dem vorhandenen Kartenmaterial im Internet und den Tafeln am Wegesrand auch so seht gut nachvollziehbar. Die Wegebeschaffenheit ist gut, es handelt sich nach der Siedlung um bewirtschaftete und gut begehbare Waldwege. Es gibt nur wenig Steigungen, so dass der Weg auch für ungeübte Wanderer und Spaziergänger gut machbar ist.
Zur Karte geht’s hier: https://karte.naturpark-taunus.de/schnepfe-nauborn/r/233/50528536,8.502409,16/
