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Michael Wallenfels betreut den Bauerngarten auf dem Areal der Naturschutzakademie: Es ist ein wahres Kleinod inmitten einer weitläufigen Parkanlage – und ein wahres Paradies für Naturliebhaber und Entdecker: Der Bauerngarten ist das Herzstück der Außenanlage der Naturschutzakademie Hessen. Jetzt im Mai erwacht der Garten nach altem Vorbild zu neuem Leben. Verantwortlich für die Pflege ist Michael Wallenfels, der auch Lottes Garten im Lottehof betreut.
Bauerngarten
Blick in den Bauerngarten auf dem Gelände der Naturschutzakademie Hessen. © Sabine Glinke

Für Michael Wallenfels, der in coronafreien Jahren auch Seminare gibt und an verschiedenen Schulen pädagogisch unterwegs ist, ist der Bauerngarten Arbeitsplatz und Ruheoase zugleich. Aus dem Draußensein zieht er Kraft und Energie. Jetzt, Anfang Mai, ist im Bauerngarten jede Menge zu tun. Doch das, was an vielen Stellen noch eher wüst aussieht und Kleinstadtbewohner mit Vorstadtrasen verschrecken würde, ist die bewusste Entscheidung zur „geordneten Unordnung“. Denn im Bauerngarten herrscht nur scheinbar eine ungeordnete Durchmischung: Das Ansiedeln verschiedener Nutz- und Zierpflanzen gehören zum Konzept. Blütenstauden sowie bekannte Nutz- und Heilpflanzen sowie vermeintliche „Unkräuter“ dominieren im Spätsommer das Bild. Elemente wie Natursteinmauern, Hochbeete, eine Kräuterspirale, Holzzäune als Abgrenzung und verschiedene Totholzarrangements gehören ebenso zum Bild wie Insektenhotels oder die Wurmkiste zur Herstellung von Kompost. „Beim Bauerngarten geht es darum, altes Gartenwissen mit neuesten agrarökologischen Erkenntnissen zu kombinieren“, erklärt Michael Wallenfels. Wichtigste Ziele dabei: Die Biodiversität, also die biologische Vielfalt im Garten, hochzuhalten, gleichzeitig sollen vor allem alte Kulturpflanzen erhalten werden.


Person im Bauerngartenbeet
Geordnete Unordnung: Was nach Chaos aussieht, folgt einem klaren Plan - dem Kreislauf der Natur. © Sabine Glinke

Geordnete Unordnung

Wallenfels nimmt uns mit auf einen Rundgang durch „seinen“ Bauerngarten. Während im unteren Bereich die jetzt noch schlummernden Hochbeete im späteren Jahresverlauf Tomaten, Paprika und Chili beheimaten werden, befindet sich auf einem Randstück nahe der Gartenhütte ein wichtiges Element des Bauerngartens: Brennnesseln. Die Brennnessel ist bewährt als Heil- und Gemüsepflanze, aber auch für die Düngung: „Brennnesseljauche gehörte früher in jedem Garten dazu“, weiß Wallenfels. Unweit der Kräuterspirale, in der typische Küchenkräuter wie Thymian, Rosmarin und Salbei auf ihre Zeit warten, befindet sich ein weiteres Beet, das nach gelebter Unordnung aussieht. Hier grünt und blüht es scheinbar bunt und wild durcheinander: Das beliebte Suppenwürzkraut Liebstöckel steht hier zusammen mit Küchenkräutern wie Sauerampfer und Zitronenmelisse, dazwischen wuchern Heilkräuter wie Schöllkraut, Frauenmantel und Spitzwegerich in Einklang mit Walderdbeerpflanzen und Blühpflanzen wie Wiesengeranie, Rotklee, Wicke und der hübsch lila blühende Gundermann. „Im Bauerngarten geht es auch darum, alle Reize anzusprechen und um die Ästhetik“, erklärt der freiberufliche Gärtner und Dozent, weshalb er im Bauerngarten eine ganzjährige Blütenpracht schafft – das Auge „isst“ hier quasi mit.


Die Natur ist ein Kreislaufsystem

Doch wichtig sind in einem echten Bauerngarten noch andere Aspekte: Es gehe um die „Kreislaufwirtschaft“, erklärt Wallenfels. Das bedeutet: Verwendet wird zur Düngung, nur, was tatsächlich auch im Garten wächst: Pflanzen wie die Luzerne werden extra ausgesäht, um später als Gründung in den Beeten Verwendung zu finden. Das verbessert den Boden. Und noch jemand anders freut sich darüber: „Hier kommt manchmal ein Reh her – das mag Lupine wie ich herausgefunden habe“. Auch vor Sauerampfern mache das Reh nicht halt. „So schön das ist, für den Gärtner ist das ein Problem“, weiß Wallenfels – ein Elektrozaun musste her. Dennoch freut er sich über den tierischen Besuch: In einem der vergangenen Jahre habe ein Reh sogar unmittelbar in der Nähe des Bauerngartens im Gebüsch ein Kitz geboren. Darüber hinaus spiele der Begriff der „Permakultur“ eine wichtige Rolle. Permakulturell gestaltete Lebensräume werden als Systeme aufgefasst, in denen das Zusammenleben von Menschen, Tieren und Pflanzen so miteinander kombiniert sind, dass die Systeme zeitlich unbegrenzt funktionieren. Ziel einer permakulturellen Planung ist es ähnlich einer Kreislaufwirtschaft, durch geschlossene Stoffkreisläufe langfristig stabile Ökosysteme zu schaffen, die sich selbst erhalten und nur noch minimaler menschlicher Eingriffe bedürfen. „Es geht um Nachhaltigkeit“, erklärt Wallenfels.


Typische Beete in einem Bauerngarten.
Typische Beete in einem Bauerngarten. © Sabine Glinke
Rhabarberbeet
Im Bauerngarten gehört die Mischung der unterschiedlichen Pflanzen dazu. Eine typische Dauerkulturpflanze ist etwa der Rhabarber. © Sabine Glinke

Ehemaliger Schulgarten

2018 hat Wallenfels die Pflege des Gartens von der Landschaftsökologin Theresa Biermann übernommen, die den einstigen Schulgarten der Wetzlarer Kestnerschule nach altem Vorbild einige Jahre zuvor in einen Bauerngarten umgestaltet hatte. „Sie hat hier grundlegende Elemente des Bauerngartens etabliert“.

Diversitätsecke
Michael Wallenfels zeigt die Artenvielfalt auf kleiner Fläche: Sauerampfer und Liebstöckel wachsen hier unter anderem in Union mit Frauenmantel, Gundermann, Rotklee, Löwenzahn und Narzissen. © Sabine Glinke

Teil der Anlage der Naturschutzakademie

Der Bauerngarten ist Teil des parkähnlichen Grundstücks an der Naturschutzakademie Hessen. Hervorgegangen aus einem einstigen Obstbaumgrundstück, wurde die Anlage zu Füßen des Seminargebäudes der Naturschutzakademie nach und nach zum Naturlehrgarten für praktische Umwelterziehung und Naturerfahrung umgestaltet. Michael Wallenfels plädiert dafür, die Anlage als Ganzes zu betrachten und sich einmal Zeit für einen Rundgang auf dem frei zugänglichen Areal zu nehmen, denn es gibt viel zu entdecken: Bienenvölker, eine Trockensteinmauer als Überwinterungsquartier für Amphibien und natürlich eine hohe Biodiversität. Während die Kirschbäume schon blühen, sei in Kürze die Apfelblüte zu erwarten, dann sei die Anlage ein echter Traum und überall schwirrten Insekten. Witterungsbedingt und durch die kühlsten Aprilnächte seit Jahren sei die Natur dieses Jahr etwas später dran. Daher empfiehlt Wallenfels auch, den Bauerngarten im Jahresverlauf immer wieder zu besuchen und auf die Veränderung dort zu achten: Irgendwas wird dann immer grünen und blühen. In den Sommermonaten könne man sich an alten Bauerngartenblumen wie Pfingstrose, Frauenmantel oder Akelei erfreuen.


Noch mehr Informationen unter...

Naturschutzakademie Hessen, Friedenstraße 26, 35578 Wetzlar

Oder in unserem Bericht über die Naturschutzakademie.