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Weihnachtliche Stadt(Ver)Führung startet am 29. November – Jetzt Tickets sichern!
Goethes Mutter und Guglielmo
Goethes Mutter (Andrea Nesseldreher) möchte ihre Bücher im Bauchladen von Zuckerwarenhändler Guglielmo (Salvatore Lanza) verstauen. Er ist dagegen. © Sabine Glinke

Alle Jahre wieder in der Adventszeit öffnet sich in Wetzlar der Vorhang des „Statt Theaters", das die Zuschauer mit auf eine vorweihnachtliche Erlebnisstadtführung nimmt. Seit 2001 bietet die Tourist-Information Wetzlar solche Erlebnisführungen, eine Mischung aus Stadtführung und Theater, an. Mit dem Unterschied, dass es keinen Vorhang gibt, denn gespielt wird an historischen Plätzen in Wetzlars Altstadt. Die „Weihnachtliche Stadt(Ver)Führung" gehört dabei seit vielen Jahren zu den beliebten Klassikern – und ist für Viele ein fester Bestandteil im vorweihnachtlichen Terminkalender. 2019 gibt es etwas Neues – Regisseur und Autor Oliver Meyer-Ellendt setzt seine „goethliche" Zeitreise diesmal fort. Auf „Oh, Du Goethliche" folgt diesmal „Alle Jahre Werther". Die Führung setzt dort an, wo der fünf Jahre lang gespielte Vorgänger aufhörte und dreht sich wie immer um den beliebten Dichter und sein Umfeld in der Stadt Wetzlar.


1774 erscheint „Die Leiden des jungen Werthers“ – Basis des Stückes

Wir schreiben das Jahr 1774. Für den jungen Goethe ist es „das“ Jahr. Zwar sitzt er frustriert zu Hause, weil ihm nun auf Geheiß des Vaters eine Tätigkeit als Rechtsanwalt bevorsteht, doch seine Mutter ist ja auch noch da. Die macht keinen Hehl daraus, wie stolz sie auf die dichterische Fähigkeit des Sohnes ist und will den Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“ (dieser erschien tatsächlich im Herbst 1774) unter das Volk bringen. Schwer bepackt mit Büchern zieht sie durch Wetzlar und möchte alle, die mit ihrem Sohn zu tun haben, mit dem Lesestoff versorgen. Wäre das nicht der Jurist Karl Wilhelm Freiherr von Breidenbach zu Breidenstein, der den Werther als „sittenwidrig“ verbieten lassen will…

Zuckerwarenhändler Guglielmo (S. Lanza) und Gastwirt des "Bären" (J. Heil)
Zuckerwarenhändler Guglielmo (Salvatore Lanza) bekommt vom Gastwirt des "Bären" (Joachim Heil) Beine gemacht. © Sabine Glinke

Um diesen Wendepunkt in Goethes Leben geht es in der neuen Erlebnisführung von Meyer-Ellendt und seinem Ensemble – natürlich wie immer mit dem nötigen Witz und Esprit und dem entsprechend weihnachtlichen Anstrich. Wie immer basierend auf historischen Ereignissen – tatsächlich versuchten einige, Goethes Briefroman verbieten zu lassen - tauchen dabei Figuren auf, die es tatsächlich gegeben hat, andere wie Humbert Rikedom, den Wirt des Gasthauses „Zum Bären", hat Meyer-Ellendt frei erfunden. Eine Idee aus der Vorgängerführung spinnt Meyer-Ellendt weiter fort: Es gibt während der Führung auch weihnachtliche Naschereien. Beschränkte sich dies in der Vergangenheit auf Frankfurter Brenten, die Vorgänger der beliebten Bethmännchen, dürfen die Teilnehmer diesmal gleich dreimal zugreifen. Was genascht werden wird, wird aber nicht verraten. Einzig: Die weihnachtlichen Leckereien entstehen allesamt im Café Mundart des Vereins „Junge Arbeit".


Operation am offenen Herzen

Die Proben laufen derzeit auf Hochtouren und wie immer, wenn eine komplett neue Produktion ansteht, ist es eine Art Operation am offenen Herzen. Beim Probenbesuch in der Probenbühne im Rosengärtchen wird improvisiert, geschliffen, am Text gefeilt, über Requisiten diskutiert. Salvatore Lanza soll als Zuckerbäcker Guglielmo während der Führung einen Bauchladen tragen – zunächst mit Weckmännern bestückt, dann mit den schweren Büchern beladen. „Wir müssen darauf achten, wie schwer das letzten Endes wirklich wird, sonst kriege ich Rückenschmerzen“, bittet der Schauspieler, der neu im Ensemble ist und dem Meyer-Ellendt eine Rolle direkt auf den Leib geschrieben hat. Der Zufall wollte es, dass der Regisseur den Wetzlarer mit den italienischen Wurzeln, der eine Weile in Rom gelebt und als Schauspieler gearbeitet hat, kennenlernte. Schnell war klar: „Den muss ich haben, der bekommt seine eigene Rolle geschrieben“. Ein Risiko für Meyer-Ellendt – Lanza hat im Gegensatz zu den anderen vier Darstellern keine Doppelbesetzung.

Karl Wilhelm von Breidenbach, Guglielmo und Goethes Mutter
Karl Wilhelm Freiherr von Breidenbach zu Breidenstein (Sven Bühler, Mitte), kauft alle Weckmänner von Zuckerwarenhändler Guglielmo (Salvatore Lanza), damit Goethes Mutter (Andrea Nesseldreher) ihre Bücher in seinem Bauchladen verstauen kann. © Sabine Glinke

Auch hier greift der Regisseur weitestgehend auf erfahrene Mimen zurück: Andrea Nesseldreher und Katja von Schöler sind mit der Rolle der Mutter Goethe schon seit Jahren verwachsen, und auch Sven Bühler, der Karl Wilhelm Freiherr von Breidenbach zu Breidenstein mimt, ist aus anderen Produktionen Meyer-Ellendts wie der Gruselführung „Der Geisterbeschwörer" und auch aus dem Neuen Kellertheater Wetzlar bestens bekannt. „Die kennen sich alle und verstehen sich, das ist eine tolle Dynamik in der Gruppe", freut sich der Regisseur, für den das Engagement seiner Truppe alle Jahre wieder nicht selbstverständlich ist. Denn, beim „Statt Theater" mitzuwirken, bedeutet: Nahezu alle Wochenend-Abende in der Vorweihnachtszeit sind für das Projekt geblockt. „Wenn sie nicht spielen, müssen sie sich als Zweibesetzung ja trotzdem freihalten", lobt Meyer-Ellendt.


20 Führungen insgesamt

Gespielt wird insgesamt an zehn Abenden im Advent, jeweils in zwei Rundgängen. Start ist immer an der Tourist-Information auf dem Domplatz, von dort geht es hinter den Dom (ehemaliger Kreuzgang) über die Pfaffengasse zum Lottehof. Weitere geplante Stationen sind Kornmarkt, Engelsgasse und Hofstatt. Die Führung endet am Ludwig-Erk-Platz. „Man kann also vor und nach der Führung direkt auf einen der Wetzlarer Weihnachtsmärkte gehen“, macht Oliver Meyer-Ellendt auch auf dieses Angebot aufmerksam. Vorkenntnisse sind keine nötig – „man muss die beiden Vorgängerführungen nicht zwingend gesehen haben, um teilzuhaben“. Grob zu wissen, dass Goethe den Werther in Wetzlar geschrieben hat und was dem Dichterfürsten dort sonst noch so widerfahren ist, schadet aber nicht.

Termine und Tickets:

Premiere feiert „Alle Jahre Werther" am Freitag, 29. November, um 18 Uhr – zeitgleich zur Eröffnung der Wetzlarer Weihnachtsmärkte. Weitere Termine: Samstag, 30. November, Mittwoch, 4. Dezember Freitag, 6. Dezember, Samstag, 7. Dezember, Mittwoch, 11. Dezember, Freitag, 13. Dezember, Samstag, 14. Dezember, Dienstag, 17. Dezember und Mittwoch, 18. Dezember. Freitags, mittwochs und dienstags starten die Rundgänge immer um 18 und um 20 Uhr, samstags um 16 und um 18 Uhr.

Tickets für die weihnachtliche Stadt(ver)führung gibt es hier zum Preis von 14 Euro, ermäßigt 7 Euro.