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Lichtstrahl
Immer dem Lichtstrahl nach – er führt die Besucher durch die Ausstellung in dem historischen Gebäude. © Sabine Glinke

Viseum Wetzlar gibt spannende Einblicke in die Welt der Optik und Feinmechanik

Immer dem Lichtstrahl nach: Im Wetzlarer Viseum im Lottehof werden physikalische Gesetze der Optik und deren Anwendung in optischen und feinmechanischen Betrieben erlebbar gemacht. Wo sonst sollte ein solches Erlebnismuseum stehen, wenn nicht in der Optikstadt Wetzlar? Zahlreiche Unternehmen aus dem Bereich Optik und Feinmechanik sind hier angesiedelt und produzieren für die ganze Welt. Während die Meisten wohl zunächst an den Kamerahersteller Leica denken, ist die Branche deutlich vielseitiger. Insgesamt 19 heimische Unternehmen fungieren heute im Viseum als Sponsor von Ausstellungsobjekten und präsentieren spannende Einblicke aus ihrer Arbeit. Getragen wird das Viseum vom Verein Viseum Wetzlar e.V., als Schnittstelle zwischen den Unternehmen und dem Museum fungiert der Vorsitzende Ralf Niggemann, dem gleichzeitig die Leitung des Industrienetzwerkes Wetzlar Network obliegt, das für die Optik- und Feinmechanik verantwortlich zeichnet.

Wie sehen die Oberflächen alltäglicher Dinge mit bloßem Auge und unterm Mi
Wie sehen die Oberflächen alltäglicher Dinge mit bloßem Auge und unterm Mikroskop aus? Diese Wand verdeutlicht es anschaulich. © Sabine Glinke

Zwei Themenbereiche

2007 wurde das Viseum in dem ehemaligen Bürgerhaus aus dem 18. Jahrhundert, welches Jahre lang leer gestanden hatte, eröffnet. Das Ziel: Die Optik erlebbar und begreifbar machen, vor allem junge Leute für das Thema zu begeistern und damit den Nachwuchs von morgen für die heimischen Firmen sichern. Das Viseum gliedert sich in zwei Etagen: Während auf der unteren Etage zunächst die Gesetze der Optik und der Sehsinn anschaulich thematisiert werden, werden auf der zweiten Ebene die entsprechenden Anwendungen in der Industrie dargestellt. Mikroskopie, Endoskopie, Kameratechnik - das alles wird im Detail erklärt, Mitmachstationen laden zum Ausprobieren ein. Sei es die Wand mit den wendbaren Karten, die Oberflächen von verschiedenen Dingen wie Rotkohl in Nah und Fern zeigen oder der drehbare Mikroskopiertisch, der Gegenstände aus der Natur plötzlich ganz anders erscheinen lässt - die eigene Perspektive ändert sich während des Besuchs im Viseum gleich mehrfach. Alles beginnt mit dem Thema Licht- ein farbiger Lichtstrahl geleitet in die Ausstellung und führt die Besucher durch die verschiedenen Themenkomplexe. Im nächsten Schritt zeigt das Viseum, wie Sehen und das menschliche Auge funktionieren – im biologischen und technischen Sinne. Auf faszinierende Weise wird im Viseum außerdem sicht- und begreifbar, worauf es bei der Herstellung von Präzisionsoptiken vor allem ankommt: auf Feinstmechanik im Mikrometer-Bereich.
Leonie
Anders als beim Ego-Shooter: Mit dem Zielfernrohr die Nachbarschaft ins Visier genommen. © Sabine Glinke

Ein Stückchen Wetzlar in Hollywood

Staunen werden die Besucher vor allem, was alles in Wetzlars Optik- und Feinmechanikfirmen entsteht - etwa Sensoren für den Mars-Roboter "Opportunity" von der Lahnauer Firma Sensitec. Vieles kann auch direkt ausprobiert werden: Präzisionsferngläser aus dem Hause der Firma Zeiss gewähren scharfe Blicke zum Dom und über die Altstadt, Computerspiele-Fans, die mit Ego-Shootern vertraut sind, erfahren, wie sich ein Gewehr mit Zielfernrohr auf der Schulter tatsächlich anfühlt. Und natürlich darf auch ein Einblick in die berühmte Kameratechnik aus der Domstadt nicht fehlen: Neben Leicas M-Reihe ist auch die Ur-Leica, die Oskar Barnack 1925 entwickelte, zu sehen, ebenso wie Mini-Kameras aus dem Hause Minox, darunter die berühmte "Spionagekamera", die auch in einem frühen James-Bond-Film auftauchte. Doch im Viseum gibt es auch noch mehr Hollywood: Die bei der im Leitz-Park ansässige Feinmechanik-Firma Weller hergestellten Objektivgehäuse kamen schon in verschiedenen Produktionen zum Einsatz. Das Objektivgehäuse des Summilux-C, welches in Einzelteile zerlegt im Viseum zu sehen ist, bietet Platz für 14 Linsen, die durch unterschiedliche Brennweiten und Anordnungen eine präzise Kameraeinstellung ermöglichen. Es kam unter anderem bei den Dreharbeiten zum Blockbuster "X-Men" zum Einsatz. Ein weiterer Zweig in Wetzlar ist die Augenoptik - nahezu jeder Brillenträger ist wohl schon einmal mit einer der typischen Messbrillen der Dutenhofener Firma Oculus in Kontakt gekommen.

MINT-Partner

Das Thema Bildung und Nachwuchsförderung verliert das Viseum ganz im Sinne der beteiligten Unternehmen nie aus dem Blick: So ist das Museum nicht nur Partner des MINT-Projektes (MINT = Mathematik, Information, Naturwissenschaften und Technik) des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung und der Europäischen Union – Europäischer Sozialfonds sowie der Bundesagentur für Arbeit, sondern bietet darüber hinaus ein eigenes Kinderprogramm an. Wer das Viseum nicht auf eigene Faust erkunden will, hat die Möglichkeit, das Ganze im Rahmen einer öffentlichen Führung der Tourist-Information jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat zu erleben.
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