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Die Wärmewende verfolgt neben dem Klimaschutz zahlreiche Ziele:
  • Versorgungssicherheit und -unabhängigkeit
  • Bezahlbarkeit der Wärmeversorgung
  • Lokale Wertschöpfung
  • Resilienz der Stadt und der Einwohner

Aufgrund der Bedeutung des Wärmesektors zur Erreichung der Klimaziele und der aktuell hohen Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern Erdgas und Heizöl hat der Gesetzgeber entschieden, dass Kommunen einen Plan entwickeln müssen, wie der Wärmebedarf gesenkt und die Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energieträgern erfolgen kann.

Die Wärmeplanung zeigt somit auf, wie die Wärmeversorgung in Wetzlar zukünftig erfolgen kann. Wo ist der Fernwärmeausbau geplant? Wo eignen sich dezentrale Heizungen, wie Wärmepumpen? Diese und viele weitere Fragen beantwortet die kommunale Wärmeplanung.

Die Stadt Wetzlar hat seit Anfang 2024 zusammen mit ihren Projektpartnern die Wärmeplanung erarbeitet und Ende 2025 abgeschlossen. Am 16.06.2026 wurde die kommunale Wärmeplanung durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen.

Hintergrund

Die Transformation des Wärmesektors ist essentiell für die Erreichung der Netto-Treibhausgasneutralität für die Stadt Wetzlar. Transformation bedeutet dabei, dass die Wärmeversorgung sich grundlegend ändern wird. Wie wir heizen, womit wir heizen, welche Infrastrukturen in der Stadt hierfür umgesetzt werden müssen und vieles mehr wird sich in den kommenden Jahren stark verändern. Die vielen dezentralen Beheizungssysteme, die lange Bestand haben, stellen dabei eine Herausforderung für eine schnelle und koordinierte Dekarbonisierung* des Sektors dar. Daher Bedarf es der kommunalen Wärmeplanung, die als Fahrplan für diese weitreichenden Veränderungen dienen wird.

* Was bedeutet eigentlich Dekarbonisierung?
Der Begriff Dekarbonisierung beschreibt die Umstellung von der Nutzung fossiler Energieträger wie Heizöl und Erdgas auf erneuerbare Energieträger wie Geothermie und solare Energie. Durch die Umstellung wird eine Einsparung von Treibhausgas-Emissionen, insbesondere von CO2-Emissionen, erzielt und somit ein Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels geleistet.

Die Stadt Wetzlar hat bereits in 2023 die Erarbeitung der kommunalen Wärmeplanung ausgeschrieben, da Hessische Kommunen mit mehr als 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern gemäß § 13 des novellierten Hessischen Energiegesetztes (HEG) seit dem 29.11.2023 zur Entwicklung einer kommunalen Wärmeplanung verpflichtet sind. Laut Bundesgesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze (WPG), welches zum 01.01.2024 in Kraft getreten ist, sind Kommunen mit weniger als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern verpflichtet, bis 30.06.2028 ihren kommunalen Wärmeplan zu erstellen. Die Stadt Wetzlar ist somit auf einem guten Weg die gesetzlichen Anforderungen frühzeitig zu erfüllen.

Ziel

Die kommunale Wärmeplanung ist das zentrale strategische Planungsinstrument für die Koordinierung und Entwicklung eines Transformationspfads für die Wärmewende. Die Entwicklung eines Zielbilds für einen treibhausgasneutralen Gebäudebestand dient als Grundlage für die Stadtentwicklung und Energieplanung.

Zukünftige Planungs- und Investitionsentscheidungen können zielgerichtet und effektiv auf Basis der kommunalen Wärmeplanung getroffen werden. Der Wärmeplan weist kartografisch Eignungsgebiete für Wärmenetze, dezentrale Versorgungsgebiete und Schwerpunktgebiete für die Nutzung von erneuerbaren Energien aus. Die kommunale Wärmeplanung wird unter der Federführung der Kommune partnerschaftlich mit den vielfältigen Akteuren erarbeitet und umgesetzt.

Vorgehensweise

Die kommunale Wärmeplanung besteht aus vier Hauptphasen:

Grafik Vorgehensweise Kommunale Wärmeplanung (KWP)
© Stadt Wetzlar

  1. Bestandsanalyse: Zunächst wurden im Rahmen der Bestandsanalyse der aktuelle Wärmebedarf und die bestehenden Versorgungsstrukturen ermittelt.
  2. Potentialanalyse: Anschließend wurden die Potentiale zur Reduzierung des Wärmebedarfs und zur Versorgung durch erneuerbare Wärmequellen im Rahmen der Potentialanalyse erfasst.
  3. Zielszenarien: Basierend auf den ersten zwei Phasen wurden Zielszenarien für die treibhausgasneutrale Wärmeversorgung bis 2035 entwickelt.
  4. Wärmewendestrategie: Mit der abschließenden Wärmewendestrategie wurden Maßnahmen zur Realisierung der Zielszenarien entwickelt.

Beteiligung der Öffentlichkeit

Erste Infoveranstaltung: Am 20.11.2024 wurden im Rahmen einer Öffentlichkeitsveranstaltung die vorläufige Bestands- und Potenzialanalyse der Öffentlichkeit und beteiligten Akteuren vorgestellt. Im Anschluss gab es die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Anregungen einzubringen. Anhand der Rückmeldungen wurden die Analysen anschließend überarbeitet.

Offenlage: Vom 06.11. bis 06.12.2025 lag die kommunale Wärmeplanung im Rathaus sowie digital öffentlich aus. Die Öffentlichkeit, die in ihren Aufgabenbereichen berührten Behörden, Träger öffentlicher Belange und relevante Beteiligte hatten die Möglichkeit, eine Stellungnahme abzugeben. Die erhaltenen Stellungnahmen wurden bei der Finalisierung der Wärmeplanung berücksichtigt.

Veranstaltungsreihe 2026: Um die lokalen Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung vorzustellen und zu diskutieren, welche Lösungen für die Gebäudeeigentümer zur Verfügung stehen, finden in 2026 zunächst in den acht Wetzlarer Stadtteilen Informationsabende statt. Veranstaltungen in der Kernstadt werden folgen. An den Veranstaltungen kann auch teilgenommen werden, wenn man nicht im Stadtteil wohnhaft ist. Die Termine werden in der folgenden Tabelle aufgelistet. Weitere Informationen werden vor dem jeweiligen Termin veröffentlicht.

Datum Stadtteil Veranstaltungsort
Mittwoch, 15.04.2026 Blasbach Gasthaus "Zur Linde"
Donnerstag, 07.05.2026 Dutenhofen Gasthaus Adler
Mittwoch, 20.05.2026 Steindorf Stadtteilbüro
Mittwoch, 27.05.2026 Münchholzhausen Mehrzweckraum Bürgerhaus 
Münchholzhausen
Donnerstag, 18.06.2026 Hermannstein Bürgersaal
Donnerstag, 25.06.2026 Naunheim Kulturhalle
Donnerstag, 20.08.2026 Garbenheim ev. Gemeindezentrum
Mittwoch, 02.09.2026 Nauborn Bürgersaal

Ergebnisse

Die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung liegen in ihrer finalen beschlossenen Version vor.

Die Ergebnisse setzen sich aus drei Teilen zusammen:

  1. Abschlussbericht: Der Abschlussbericht beschreibt die Vorgehensweise und die Ergebnisse für alle vorgeschriebenen Phasen der kommunalen Wärmeplanung. In Wetzlar wurden insgesamt 13 Gebiete als potenzielle Wärmenetzgebiete ausgewiesen. Im Zielszenario wird davon ausgegangen, dass 21% des Wärmebedarfs in Wetzlar durch Wärmenetze gedeckt werden kann. Die Altstadt wurde als Prüfgebiet ausgewiesen, da nicht final geklärt werden konnte, welche Versorgungslösung für die Altstadt geeignet sein wird. Eine tiefergehende Studie, die insbesondere die Platzverhältnisse für dezentrale und zentrale Wärmelösungen in der Altstadt genauer untersuchen soll, wird im Anschluss an die Wärmeplanung ausgeschrieben. Insbesondere für die Stadtteile sind vornehmlich dezentrale Versorgungslösungen ausgewiesen worden. Eine wirtschaftliche Umsetzung von Wärmenetzen, die für die Bürgerinnen und Bürger günstiger ist als dezentrale Lösungen, ist dort nicht zu erwarten.

  2. Energiesteckbriefe: Die Stadt Wetzlar wurde in insgesamt 46 Teilgebiete unterteilt, um die Bewertung der geeignetsten zukünftigen Wärmeversorgung möglichst kleinteilig für Gebiete zu treffen, die eine einheitliche Struktur aufweisen. Nach der Bewertung wurden manche Teilgebiete wieder in größere Gebiete zusammengefasst – wie beispielsweise bei den Stadtteilen. Für jedes Teilgebiet wurde ein Steckbrief erstellt, der die wichtigsten Daten zu diesem Gebiet zusammenfasst, das Gebiet beschreibt, die Potenziale in diesem Gebiet ausweist und das Zielszenario definiert.

  3. Maßnahmensteckbriefe: Für die Wärmewendestrategie wurde ein Maßnahmenkatalog bestehend aus 34 Maßnahmen in 7 Handlungsfeldern ausgearbeitet. Die Maßnahmen richten sich vornehmlich an die Stadtverwaltung und zeigen auf, welche Projekte nach Abschluss der Wärmeplanung ergriffen werden müssen, um die Umsetzung der Wärmeplanung bis zum Zieljahr sicherzustellen.

Alle Dokumente können im Downloadbereich heruntergeladen werden. Ergänzend finden Sie auch eine hochaufgelöste Karte der Eignungsgebiete für die zukünftige Wärmeversorgung. Bei Fragen können Sie sich gerne an uns wenden.