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Symbolfoto Klimaanpassung
© Thomas Batinic

Die bereits eingetretenen und noch zu erwartenden Folgen des Klimawandels stellen Kommunen vor große Herausforderungen. Auch die Stadt Wetzlar spürt die direkten und indirekten Auswirkungen der Klimaveränderungen. Sie gefährden die städtische Infrastruktur, das Stadtgrün sowie die Gesundheit der Bevölkerung. Die Stadt Wetzlar trägt Verantwortung für den Schutz der Menschen, für die Funktionsfähigkeit der Einrichtungen und für den Erhalt einer hohen Lebensqualität. Aus diesem Grund setzt sich die Stadt intensiv mit einer klimawandelgerechten Entwicklung in Planung, Verwaltung und kommunalem Handeln auseinander.

Zwischen 2022 und 2023 wurde eine Stadtklima- und Vulnerabilitätsanalyse für das Stadtgebiet von Wetzlar durchgeführt. Im Fokus der Untersuchung standen dabei insbesondere der städtische Kaltlufthaushalt sowie die kleinräumige, sommerliche thermische Belastungssituation der Stadtbevölkerung sowohl am Tag als auch in der Nacht. Ergänzend zur klimaökologischen Modellierung wurde für das Wetzlarer Stadtgebiet eine Sensitivitäts- und Vulnerabilitätsanalyse durchgeführt, welche die Betroffenheit der Wetzlarer Bevölkerung gegenüber Hitzeextremen aufzeigt. Durch eine Überlagerung der Vulnerabilitätsanalyse mit den klimaökologischen Inhalten werden Räume im Wetzlarer Stadtgebiet aufgezeigt, in denen der Handlungsdruck und der Bedarf an Anpassungsmaßnahmen besonders hoch ist.

Von 2023 bis 2025 wurde darüber hinaus ein integriertes Klimaanpassungskonzept erarbeitet. Im Erarbeitungsprozess wurden durch eine breite Akteursbeteiligung verschiedene Handlungsfelder hinsichtlich des Ausmaßes der Betroffenheit identifiziert, eine Analyse der räumlichen Betroffenheit im Stadtgebiet vorgenommen, konkrete Risiken benannt und Maßnahmen für eine klimaangepasste Entwicklung aufzeigt. Das Konzept dient als Entscheidungsgrundlage und Planungshilfe für die sich nun anschließende Umsetzung der prioritären Maßnahmen. Es soll die Anpassung an die Folgen des Klimawandels fachübergreifend und nachhaltig in der Stadt Wetzlar verankern sowie relevante Akteursgruppen frühzeitig einbinden.

Als ein weiterer wichtiger Baustein für die Klimaanpassung und zur Risikobewertung innerhalb der Stadt Wetzlar ist derzeit eine Starkregengefahrenkarte in Planung.

Die Umsetzung der Klimaanpassung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur gelingen wird, wenn Verwaltung, Politik, lokale Akteure und die Öffentlichkeit diesen Weg gemeinsam gestalten.


Der Klimawandel und seine Auswirkungen

Jahresmitteltemperatur für Hessen
Jahresmitteltemperatur für Hessen © HLNUG

Das Jahr 2024 war mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,74 °C das wärmste Jahr in Hessen seit 1881. Der Mittelwert der Referenzperiode 1961–1990 lag bei 8,23°C. Klimaszenarien zeigen für Hessen bis 2100 einen weiteren Anstieg der Jahresmitteltemperatur um 2,7 °C bis 4,9 °C im Vergleich zur Referenzperiode 1971-2000, sofern keine Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden. Dadurch verändert sich langfristig das regionale Klima in Wetzlar und Umgebung. Die Anzahl heißer Tage mit Lufttemperaturen über 30 °C nimmt zu. Extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Hagel und Sturm treten häufiger auf. Einer Niederschlagszunahme im Winter steht eine Abnahme im Sommer gegenüber. 

Längere Trockenphasen mit einer Abnahme der Bodenfeuchte und mittel- bis langfristig gesehen sinkenden Grundwasserspiegeln haben Auswirkungen auf Wasserhaushalt, landwirtschaftliche Erträge und die Natur. Aus Klimafolgen resultieren letztlich Gefahren auch für Leben und Gesundheit, Gesellschaft, Wirtschaft und Infrastruktur.

Die Kommunen sind daher aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft ökologischer und gesellschaftlicher Systeme gegenüber den klimatischen Veränderungen unter Beachtung des Vorsorgeprinzips zu steigern und Risiken durch Hitze, Starkregen, Überschwemmungen und weitere mögliche Klimafolgen abzuwenden.


Visualisierung des Klimawandels:

Klimastreifen für Wetzlar
Der Klimastreifen für die Stadt Wetzlar. © Stadt Wetzlar

Die „Warming Stripes“ („Erwärmungsstreifen" oder „Klimastreifen“) des Klimawissenschaftlers Ed Hawkins stellen für einen bestimmten Ort oder eine Region die mittlere Jahrestemperatur als eine Reihe chronologisch geordneter Farbstreifen dar. Die Farbe jedes Streifens repräsentiert die Temperatur eines Jahres. Eingefärbt wird die regionale Abweichung zur Durchschnittstemperatur der Referenzperiode zwischen 1961 und 1990. War die Temperatur in einem Jahr wärmer als die durchschnittliche Temperatur in diesem Zeitraum, ist der Streifen in Rottönen eingefärbt, war sie niedriger, ist der Streifen in Blautönen eingefärbt.