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Die Leica Galerie Wetzlar präsentiert bis Januar 2023 die Ausstellung „Zwischen Magie und Wirklichkeit“ der vielfach ausgezeichneten französischen Fotografin Claudine Doury.

Der in Paris lebenden Fotografin gelingt es immer wieder zu verzaubern. Sie nimmt den Betrachter mit in weit entfernte Regionen, sie berichtet in zarten Farben und sensiblen Bildern von eher unbekannten, aber traumhaften Orten. Nie driftet sie dabei einfach in Nostalgie ab, sondern erweist sich als genaue Beobachterin und empathische Begleiterin, ohne dabei alle Geheimnisse zu offenbaren. Zentralasien, die Krim und Sibirien gehörten in den letzten Jahrzehnten zu ihren bevorzugten Erkundungsgebieten. Die renommierte Fotografin, die 1999 Gewinnerin des Leica Oskar Barnack Awards war, präsentiert in der Ausstellung in der Leica Galerie Wetzlar drei Serien, die sie mit ihrer analogen Leica M6 realisierte.

Mitte der 1990er-Jahre erkundete Doury den äußersten Norden Russlands, um das Leben und die Traditionen der letzten dort lebenden Nomadenvölker fotografisch vorzustellen. Für ihre schwarzweiße LOBA-Serie „Die letzten Nomaden Sibiriens“ legte sie Tausende von Kilometern zurück, unternahm Reisen vom Fluss Amur bis in die Regionen nördlich des Polarkreises. Sie hielt den harten Alltag der Menschen fest, der sich schon damals zwischen einem allgegenwärtigen, aber verschwindenden kulturellen Erbe und einer sich rasch wandelnden Welt bewegte.

Die zweite Serie „Artek“ entstand als Langzeitprojekt ab 1994 und stellt Jugendliche in einem sommerlichen Erholungslager auf der Krim in den Mittelpunkt. Bereits 1925 gegründet, wurde es in postsowjetischer Zeit wieder zu einem bevorzugten Ort für Kinder privilegierter Familien. Doury hat innerhalb von zehn Jahren ein sensibles Porträt einer Generation im Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein geschaffen. Ihre berührenden Aufnahmen haben nichts von ihrer Intimität verloren.

Dritter und umfangreichster Teil der Galerieausstellung sind Arbeiten aus der Serie „Loulan Beauty“, die in Zentralasien entstanden: „Von 2002 bis 2005 konnte ich in die Aral-Region in Kasachstan, nach Usbekistan, Xinjiang und an die Ufer des Yssykköl in Kirgisistan reisen“, so Doury. Es sind poetische Momente „von Erben versunkener Königreiche, Fischern ohne Meer oder auch Kindern, die tanzen, um ihre Eltern zurückzuholen, die in der Ferne arbeiten“.

In allen drei Serien wirft die Fotografin grundsätzliche Fragen zum Verhältnis von Mensch und Natur auf, zu Erinnerung, Vergänglichkeit und Übergang, zu Verlust, Veränderung und Neubeginn.

Claudine Doury wurde 1959 in Blois nahe Orléans geboren. Nach einem Journalistikstudium arbeitete sie zunächst als Bildredakteurin bevor sie sich ganz der eigenen Fotografie widmete. Für ihr Werk wurde sie mehrfach ausgezeichnet, nicht nur mit dem Leica Oskar Barnack Award (1999), sondern u. a. auch mit einem World Press Photo Award (2000) und dem Prix Niépce (2004) für ihr fotografisches Gesamtwerk. Sie wurde international in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert und veröffentlichte zahlreiche Bildbände. Seit 1991 ist sie Mitglied der Agentur VU’. Sie lebt und arbeitet in Paris. www.claudinedoury.com

Zitate Claudine Doury zu den Serien:
„Bei den letzten Nomaden Sibiriens war mein Interesse, herauszufinden, wer diese Völker waren. Wir wussten nicht viel über sie und ich wollte ihre spezifischen Kulturen und ihr Leben zeigen.“

„Ich beschloss, 1994 ‚Artek‘ zu fotografieren, als ich das erste Mal davon hörte. Da die Sowjetunion zusammengebrochen war, wollte ich sehen, was von diesem Lager übriggeblieben war. Ich fotografiere gern junge Menschen, weil sie in einer Art Zwischenraum leben, in dem alles möglich ist.“

„‚Loulan Beauty‘ ist die Geschichte eines langsamen Verschwindens, im Sand und in der Zeit, das Ende einer Welt, eine Reise durch das postsowjetische Zentralasien und das chinesische Xinjiang.“

Details
Datum
BeginnÖffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 10:00 - 18:00 Uhr
EintrittspreisEintritt frei
KategorienAusstellungen, Fotografie

Veranstaltungsort

Leica Galerie Wetzlar